Teenie (15) überfordert, bei allen toten Promis „Oh, nein – Den habe ich voll geliebt!“ zu posten

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Wie Marcel P. (15) ergeht es vielen Teenagern. Foto:Pixabay
Wie Marcel P. (15) ergeht es vielen Teenagern. Foto:Pixabay

Köln – Das Horror-Jahr 2016 will nicht aufhören, uns Menschen mit Schocknachrichten aus dem Alltag zu reißen. Vor allem das anhaltende Promi-Sterben macht besonders deutschen Teenagern das Leben immer mehr zur Hölle. So auch für Marcel P. (15) aus Köln: Bei jedem toten Promi auf den fahrenden Social-Media-Zug aufzuspringen, wird für ihn immer mehr zur Belastung.

Von Floskel zu Floskel

Sonntagabend. Marcel P. (15) schaut gemütlich das unausgeglichene Duell der Isländer gegen England. Die Partie ist in der ersten Halbzeit längst entschieden und Marcel P. geht in Gedanken bereits durch, bei wem er morgen zwischen den Stunden die Hausaufgaben abschreiben kann, als plötzlich sein Handy vibriert. Eine Eilmeldung poppt auf: Bud Spencer ist tot. „Na, toll. Nicht noch einer“, seufzt Marcel P. und rauft sich die Haare, während ihm Tränen in die Augen schießen. „Eigentlich wollte ich grad schlafen gehen, doch jetzt muss ich wieder die ganze Nacht durcharbeiten.“ Sofort macht sich Marcel P. an die Arbeit. Er hat viel vor. Auf allen großen Social-Media-Kanälen muss er mindestens einmal posten, dass Bud Spencer sein Kindheitsheld war, ein cooles YouTube-Video finden und es mit traurigem Emoticon teilen und in mindestens 20 Beiträgen anderer Seiten in die Kommentare schreiben, wie traurig er gerade ist und berichten, was er an seinem Idol so toll fand. „Aber bevor ich das alles mache“, so Marcel P. zum Hänselblatt, „muss ich erstmal rauskriegen, wer dieser alte Fettsack überhaupt war.“

Eine Generation stumpft ab

Das Jahr 2016 meint es nicht gut mit Deutschlands Teenagern. Ständig sterben Promis, weshalb unzählige Stunden in den Social-Media-Netzwerken für Beileidsbekundungen draufgehen. „Ganz ehrlich? So langsam merke ich, dass ich richtig abstumpfe. Ständig mit diesen Floskeln um sich zu schmeißen, wenn mal wieder einer stirbt…die Worte verlieren irgendwann an Bedeutung“, erzählt uns Marcel P. „Als meine Oma neulich gestorben ist, war das für mich so alltäglich, ich habe bei der Beerdigung nur einen „Gefällt mir“-Daumen“ ins Kondolenzbuch gekritzelt. Mehr war da nicht drin. Soviel ich weiß, hat die auch weder mal einen Oscar gewonnen, noch was Anderes geschafft, wofür sie berühmt gewesen wäre.“ Eine komplette Teenager-Generation stumpft ab. Und auch auf die Gefahr hin, sich unpopulär zu machen, findet das Hänselblatt, dass alleine die vielen verstorbenen Promis dafür verantwortlich sind.

Online-Petition gestartet

„We want our lives back! – Kein Promi-Sterben mehr 2016“ lautet der Titel einer Online-Petition, die bereits eine halbe Millionen Unterschriften gesammelt hat. Die Initiatorin Chantal A. (19) zum Hänselblatt: „Genug ist genug! Ich mache in drei Jahren ABI und muss langsam mal lernen, wie man aus Vektoren die 9. Wurzel zieht, da kann ich nicht ständig in den sozialen Netzwerken rumhängen und verstorbenen Promis hinterhertrauern, von denen ich noch nie was gehört habe. Unsere Kampagne setzt sich dafür ein, dass kein Promi dieses Jahr mehr sterben darf. Wäre schön, wenn es zur Abwechslung mal wieder wen ganz normales trifft. Aber dem Rest der Erdbevölkerung geht es anscheinend zu gut. Diese Ungerechtigkeit kotzt mich an!“ Das Hänselblatt unterstützt die Petition und ist begeistert: Da sage nochmal einer, die Jugend von heute sei nicht mehr politisch interessiert.

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